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Anlage-Flash November 2026

Steigender Energiebedarf und hohe Finanzierungskosten stellen den rasanten Ausbau der KI-Infrastruktur auf die Probe. Gleichzeitig prägen Inflation, Zinsen und geopolitische Unsicherheiten die Finanzmärkte.

29.10.2026

Executive Summary

  • In den USA und der Eurozone zog die Inflation im September auf 3,7% resp. 3,8% an, und die Produzentenpreise deuten auf weiteren Auftrieb.
  • In der Eurozone stärken steigende Einkaufsmanagerindizes, nicht zuletzt in Deutschland, die Zuversicht. Die Schweiz wuchs im zweiten Quartal pharmagetrieben kräftig.
  • Fed und EZB erhöhten im September ihre Leitzinsen gegen die energiegetriebene Inflation und dürften bis Ende 2027 nachlegen. Die BoJ normalisiert ihre Geldpolitik, der Realzins bleibt negativ.
  • Die SNB hält am Nullzins fest. Um den Zinsabstand zu verkleinern und importierte Inflation zu bremsen, dürfte sie ihre Zinsen 2027 zweimal anheben.

Anthropic an der Börse: Rekord-IPO als Test für den KI-Boom

  • Noch im November will das KI-Unternehmen Anthropic, Entwickler des Sprachmodells Claude, an die US-Technologiebörse Nasdaq. Erwartet wird eine Bewertung von rund 1,5 bis 2 Billionen Dollar, so viel wie bei keinem Börsengang zuvor. Das Wachstum ist rasant: Im dritten Quartal 2026 setzte Anthropic 16,8 Milliarden Dollar um, rund 15-mal mehr als im Quartalsschnitt 2025. Zuletzt hat es sich allerdings verlangsamt. Die Bewertungserwartungen sanken deshalb von ursprünglich rund 2 auf rund 1,5 Billionen Dollar.
  • Der Börsengang gilt als Test für die ganze Branche. Erstmals legt ein führendes KI-Labor geprüfte Zahlen offen und erhält einen täglichen Börsenpreis. Gelingt der Schritt, stützt das die Bewertungen von Konkurrenten wie OpenAI. Misslingt er, wird es für alle schwieriger, Kapital aufzunehmen. Und der Bedarf ist enorm: 2026 investieren die grossen Tech-Konzerne rund 800 Milliarden Dollar in Rechenzentren und Chips, erstmals mehr, als sie im laufenden Geschäft erwirtschaften. Die Lücke finanzieren sie zunehmend mit Schulden, oft ausserhalb ihrer Bilanzen. Im Oktober zeigten sich erste Spannungen: Bei hoch verschuldeten Betreibern von Rechenzentren stiegen die Kosten für die Absicherung gegen Zahlungsausfälle auf Rekordwerte.
  • Zudem stösst der Ausbau an physische Grenzen. Rechenzentren brauchen enorme Mengen Strom: Im grössten US-Stromnetz haben sich die Preise für gesicherte Kraftwerksleistung in zwei Jahren mehr als verzehnfacht, und die Haushalte zahlen über ihre Stromrechnungen mit. Entsprechend wächst der Widerstand. 63% der Amerikaner lehnen ein neues Rechenzentrum in ihrer Gemeinde ab, und allein im ersten Halbjahr 2026 wurden Projekte im Wert von rund 200 Milliarden Dollar blockiert oder verzögert.
Präzedenzfall SpaceX: Achterbahnfahrt nach Börsengang
Präzedenzfall SpaceX: Achterbahnfahrt nach Börsengang Quelle: Bloomberg Finance L.P.

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